"Doomjobbing" – viele Jobsuchende scrollen an den passenden Angeboten vorbei

Immer mehr Jobsuchende geraten in einen erschöpfenden Kreislauf aus endlosem Scrollen, Bewerben und wiederkehrender Enttäuschung. Ein neues Schlagwort bringt dieses Phänomen auf den Punkt: "Doomjobbing".

Der Begriff "Doomjobbing" ist an den Begriff "Doomscrolling" angelehnt. Er beschreibt die Tendenz, dass diejenigen, die aktiv auf Jobsuche sind, auf unzählige Stellenanzeigen klicken, sich bewerben und meistens eine Absage erhalten. "Wir erleben viele Kandidaten, die genau mit dieser Erfahrung zu uns kommen. Der Wille ist da, aber oft haben sich diese Bewerber kein genaues Bild darüber gemacht, wie ihr nächster Karriereschritt aussehen sollte, welche Stärken sie haben und ob diese überhaupt zu den angeklickten Stellenanzeigen passen", sagt Bilgi Yildrim, Managing Director Mitte-Süd bei Robert Half, einem spezialisierten Anbieter für Personallösungen. Das Ergebnis sei, dass die Bewerber oft dutzende ungezielter Bewerbungen verschicken, ständig neue Jobangebote prüfen und in den gesamten Prozess so viel Zeit investieren, so der Experte weiter.

Stellenanzeigen und die eigenen Fähigkeiten kennen

"Tatsächlich ist die Bewerbung auf einen Job auch ein Stück weit eine Abwägung und nicht zuletzt eine realistische Einschätzung. Wer viel Zeit investiert, 20 Bewerbungen und mehr schreibt und nur Absagen erhält, ist vermutlich genau in dieser Situation gefangen und hat sich auf der einen Seite nicht intensiv genug mit der Stellenanzeige befasst, auf der anderen Seite fehlt es vermutlich auch noch an der Selbstreflexion. Welche Fähigkeiten bringe ich mit, die das Unternehmen in der Anzeige sucht?", sagt Yildirim weiter.


Es sei in der Folge nur wesenslogisch, dass mit jeder Absage das Frustpotenzial weiter steige. "Hinzu kommt, dass Unternehmen verstärkt auf Automatisierung im Bewerbungsprozess setzen, durch ATS-Systeme (Applicant Tracking Systeme) werden Bewerbungen einer ersten Filterung unterzogen", weiß Yildirim.

Dies bedeutet, dass Bewerbungen, die viele der Anforderungen der Stellenanzeige nicht oder nicht eindeutig widerspiegeln, bereits an dieser Stelle aussortiert werden. "Wir sehen einen hohen Erfolgsdruck auf Unternehmensseite. Die Time-to-Hire (Einstellungszeit) ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. In bestimmten Bereichen liegt sie bei 120 Tagen. Das führt dazu, dass die Unternehmen härter und schneller filtern, wer zu ihnen passen könnte", sagt Yildirim weiter.

Fokus statt breiter Streuung

Der Experte rät Jobsuchende, sich gezielt auf passende Stellen zu bewerben. "Vier gute Bewerbungen sind besser als 20 mittelmäßige, schließlich geht es ja auch nur um eine Anstellung", sagt Yildirim. Zudem sei es ratsam, sich für die Jobsuche auf feste Strukturen zu verlassen. "Jeden Tag inserieren Unternehmen offene Stellen. Wer beispielsweise jeden zweiten Tag prüft, ob das passende Angebot attraktiv erscheint, kann jeweils am Folgetag seine Bewerbung passgenau einreichen."

Der Experte rät allerdings davon ab, sich allein auf künstliche Intelligenz (KI) bei der Bewerbungserstellung zu verlassen. Yildrim: "Es war noch nie so einfach, binnen Sekunden eine Bewerbung zu erstellen, die zum Anforderungsprofil passt. Künstliche Intelligenz neigt allerdings dazu, Fähigkeiten zu schönen. Die Folge ist dann, dass vielleicht ein Jobangebot schneller Realität wird, dieses Vorgehen allerdings den Erfolg in der neuen Rolle allerdings beinträchtigen kann."


Erstellt von (Name) S.P. am 02.07.2026
Geändert: 03.07.2026 09:28:15
Autor:  S. P.
Quelle:  Robert Half Deutschland
Bild:  Bildagentur PantherMedia / Phovoi R
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